Was mit dem Projekt erreicht werden soll
Ziel des Projektes "Energie aus Wildpflanzen" (Laufzeit 01.07.2008 - 31.12.2010) ist es, aus dem reichhaltigen Spektrum der Wildpflanzen Arten zu finden, die in mehrjährigen Mischungen angesät werden können und damit den einheimischen Wildtieren einen geeigneten Lebensraum bieten. Die angebotene Alternative für den Biogasanbau soll für den einzelnen Landwirt auch ökonomisch interessant sein.Die Grundlage
Die Ergebnisse aus dem Projekt "Lebensraum Brache" zeigen die grundsätzliche Möglichkeit der Integration von mehrjährigen Mischungen in die landwirtschaftliche Produktion auf. Allerdings standen bei dem Projekt "Lebensraum Brache" vor allem ökologische Aspekte bei der Auswahl der Arten im Vordergrund. Zur Optimierung von Artenmischungen beziehungsweise einzelner Arten hinsichtlich der Biogasproduktion bedarf es daher weitergehender Anbau- und Verwertungsversuche, die von faunistischen Untersuchungen begleitet werden.
Gefördert wird das Vorhaben durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR).
Die Schwerpunkte
Artensreening
Sowohl bei der bisherigen Versuchstätigkeit der Projektpartner im Bereich artenreiche Ansaaten auf Ackerflächen als auch im Bereich Pflanzenverwendung für Gärten zeigt sich bei einigen Arten eine hohe Leistungsfähigkeit hinsichtlich der jährlichen Biomasseproduktion. Zur Sichtung weiterer vielversprechender heimischer und fremdländischer Pflanzenarten werden Versuche zur Erforschung der Ertragsleistung, des Erntezeitpunktes und sonstiger Parameter zur Biomasseproduktion angelegt. Da viele Arten nur vegetativ vermehrt werden, liegen häufig keine Informationen bezüglich der Saatgutproduktion und der Eignung zur direkten Aussaat vor. Bei Arten, für die noch keine ausreichenden Mengen an Saatgut verfügbar sind, werden zunächst Jungpflanzen (vegetativ vermehrte Pflanzen) eingesetzt. Um das genetische Potential der einzelnen Arten auszuschöpfen, wird Saatgut von Naturstandorten benutzt.
Silierfähigkeit und Vergärbarkeit
Für die energetische Verwendung sind besonders die Arten geeignet, die mit der bestehenden Ernte- und Lagertechnik für den Einsatz in der Biogasanlage aufbereitet werden können und entsprechende Gasausbeuten liefern. Im Labormaßstab werden daher zunächst die Silierfähigkeit, der Abbaugrad, die Verweilzeit, die Gasausbeute und die Gasqualität der einzelnen Arten untersucht.
Verfahren zur Saatgutproduktion und Bestandsetablierung
Für eine Anwendung in der Praxis sind nur Arten geeignet, für die mit vertretbarem Aufwand Saatgut in ausreichender Qualität und Menge produziert werden kann. Gleichzeitig ist eine sichere Bestandsetablierung bei feldmäßiger Ansaat eine wichtige Voraussetzung für eine rentable Umsetzung. Bei den im Rahmen des Artenscreening ermittelten leistungsstarken Arten werden daher Versuche zur Saatgutproduktion (u. a. Ernteverfahren/ -zeitpunkt, Saatgutaufbereitung) sowie zur Bestandsetablierung und -führung (Düngung, Erntezeitpunkt etc.) durchgeführt.
Modellhafte Umsetzung
Zur modellhaften Umsetzung werden Arten mit bereits etablierter Saatgutproduktion ausgewählt, bei denen aufgrund vorhandener Erfahrungen der Projektpartner von einer sicheren Bestandsetablierung und hohen Biomasseerträgen ausgegangen werden kann. Mit diesen Arten werden ab dem 2. Projektjahr erste Anbauflächen im Nutzungsbereich bestehender Biogasanlagen angelegt und die Eignung zur Biogasproduktion unter Praxisbedingungen untersucht. Hierbei wird unter anderem die Biogasausbeute in Abhängigkeit von der Verfahrensausführung ermittelt, wodurch die Laborergebnisse hinsichtlich Silierfähigkeit, Abbaugrad, Verweilzeit, Gasausbeute und Gasqualität verifiziert werden. Die praktischen Erfahrungen der Biogasanlagenbetreiber und Anbauer bei der Anbaueignung, Erntetechnik und Verwertung werden zeitnah in das Projekt integriert.
Ökonomische Betrachtung der entwickelten Anbauverfahren
Auf Grundlage der modellhaft auf unterschiedlichen Standorten gewonnenen Ergebnisse werden übertragbare Verfahren entwickelt, welche den Einsatz und die optimale Verwertung von Wildpflanzenarten in einer Bioenergieanlage beinhalten. Die ökonomische Betrachtung der energetischen Verwendung von Wildpflanzenarten wird durch eine wissenschaftliche Begleitung sichergestellt und dokumentiert. Ziel der Verfahrensentwicklung ist die Übertragbarkeit auf unterschiedlichste Regionen und Standorte Deutschlands.
Auswirkungen auf die Tierwelt und die Ackerbegleitflora
Mehrjährige Mischkulturen lassen positive Auswirkungen auf die Tierwelt erwarten. Das ökologische Potential wird anhand von faunistischen Begleituntersuchungen an Vögeln, Spinnen und Insekten (insbesondere Bienen/ Wildbienen) sowie Hase und Rebhuhn belegt. Daneben ist aufgrund des reduzierten Dünge- und Spritzmitteleinsatzes mit der Aktivierung des Samenpotentials von autochthonen Vorkommen der bundesweit gefährdeten Ackerbegleitflora zu rechnen. Hier sind vor allem in den ersten Bestandsjahren Untersuchungen notwendig, da diese Arten an eine Bodenbearbeitung angepasst sind, die in den Folgejahren in den Stauden-Beständen unterbleiben kann.
Nährstoffbedarf und Stoffkreislauf
Über den Nährstoffbedarf der einzelnen Anbausysteme für Wildpflanzen liegen noch wenig Erkenntnisse vor, die jedoch im Rahmen dieses Projektes erarbeitet werden. Über die Inhaltsstoffuntersuchung der Einzelpflanzen kann eine Einschätzung über die Nährstofffrachten in den Fermenter beziehungsweise zurück auf das Feld getroffen werden.
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