Was mit dem Projekt erreicht werden sollte
Das Projekt "Lebensraum Brache - Wildtierfreundliche Maßnahmen im Agrarbereich" hatte es sich zum Ziel gemacht, die bis dahin kleinräumig und in Feldversuchen gewonnenen Erkenntnisse zu einer wildtiergerechten Gestaltung von Stilllegungsflächen in den Bundesländern Hessen und Bayern großräumig zu übertragen. Parallel zu dieser praktischen Arbeit und ihrer wissenschaftlichen Begleitung sollten die rechtlichen und agrarpolitischen Rahmenbedingungen der Flächenstilllegung analysiert und Empfehlungen für ihre Reform abgeleitet werden. Das Projekt wollte damit einen Beitrag für einen angewandten und praxisorientierten Naturschutz in der Agrarlandschaft leisten, der das Ziel verfolgt, die Artenvielfalt im ländlichen Raum zu stabilisieren und möglichst zu erhöhen. Gleichzeitig war eine Qualifizierung und Sensibilisierung von Landwirten, Jägern und Naturschützern zu Fragen der Stilllegung von Agrarflächen und zu Fragen der Agrarumweltpolitik geplant.Die Grundlage
Der Grundgedanke des Projektes war es, in einem Netzwerk verschiedener Fachdisziplinen den Naturschutz in Agrarlandschaften umzusetzen und somit eine Brücke zwischen Jagd, Landwirtschaft und Naturschutz zu schlagen. Im Fokus des Projektes stand dabei die ökologische Optimierung von Stilllegungsflächen als wichtiges Instrument zur Förderung und zum Erhalt von Agrarbiozönosen. Die auf stillgelegten Äckern etablierten Ansaatbrachen wurden hinsichtlich ihrer naturschutzfachlichen Bedeutung sowohl aus faunistischer wie auch aus floristischer Sicht bewertet.
Finanziert wurde das Projekt mit Mitteln der Projektpartner sowie durch die Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).
Die Schwerpunkte
Praxis
Die Gestaltung wildtierfreundlicher Stilllegungsflächen wurde in den Bundesländern Hessen und Bayern umgesetzt. So konnten in der Zeit von 2003 bis 2006 über 5.500 ha Acker- und Stilllegungsflächen in diesen beiden Bundesländern wildtierfreundlich gestaltet und im Laufe des Projektes hinsichtlich ihrer Habitateignung optimiert werden.
Wissenschaft und Monitoring
Die Artenvielfalt sowie die Entwicklung ausgewählter Offenlandarten wurden in drei Regionen dokumentiert. Über das das Projekt begleitende Monitoring der Vogelwelt, insbesondere des Rebhuhns, sowie über die Analyse der Habitatnutzungsfrequenzen des Feldhasen konnte ein positiver Effekt von Ansaatbrachen auf den Lebensraum Agrarlandschaft ermittelt werden. Die mehrjährigen Ansaatbrachen wurden bevorzugt von Rebhühnern als Bruthabitat genutzt. Verschiedene andere Vogelarten fanden in den Brachen eine Heckenersatzstruktur, die sie als Niststandort nutzten. Weiterhin schuf der abwechslungsreiche Aufwuchs der vielfältigen Ansaatmischungen auch geeigneten Lebensraum für Vogelarten, die lückige beziehungsweise schüttere Vegetation und offenen Boden bevorzugen. Im Rahmen der ackerbaulichen Optimierung wurden die Ansaatmischungen so zusammengestellt, dass sie einen mindestens zweijährigen Vegetationsbestand gewährleisten und Problemunkräuter weitgehend unterdrücken.
Öffentlichkeitsarbeit
Landwirte und ihre Interessensvertreter, Landesjagdverbände, Jagdgenossenschaften, Naturschutzverbände, politische Entscheidungsträger auf allen Ebenen und die interessierte Öffentlichkeit wurden über die Möglichkeiten einer wildtiergerechten Gestaltung von Bracheflächen informiert und beraten. Neben Exkursionen, Informationsveranstaltungen und Pressereisen wurden informative Broschüren und Ratgeber erstellt.
Politik
Empfehlungen zur Weiterentwicklung der gesetzlichen Grundlagen für den Naturschutz in Ackerbaulandschaften auf europäischer und nationaler Ebene wurden erarbeitet und mit Bund und Ländern sowie den nachgeordneten Behörden diskutiert.
Fazit
Im Rahmen des Projekts ist es gelungen, die wildtiergerechte Gestaltung von landwirtschaftlichen Stilllegungsflächen in den Bundesländern Hessen und Bayern auf über 5.500 ha praktisch umzusetzen und darüber hinaus weitere Bundesländer für dieses Thema zu sensibilisieren. Hierbei ist besonders hervorzuheben, dass sich diverse kleinere Interessengemeinschaften auch in anderen Bundesländern gefunden haben, die ähnliche Aktivitäten zur Schaffung von Buntbrachen, Blühstreifen etc. auf Acker- und Stilllegungsflächen entwickelt haben und umsetzen.
Durch das Zusammenspiel von praktischer, wissenschaftlicher und politischer Arbeit sowie intensiver Informations- und Beratungsarbeit konnte die Bedeutung dieser ökologisch sinnvollen Form der Stilllegung an politische Entscheidungsträger kommuniziert werden. Dies trug dazu bei, die Belange des Arten- und Naturschutzes in die agrarpolischen Diskussions- und Entscheidungsprozesse zu integrieren.
Das Projekt „Lebensraum Brache“ hat sich in Deutschland als erstes Verbundprojekt der naturschutzfachlich sinnvollen Nutzung der einst als Instrument zur Steuerung der Agrarmärkte eingeführten Flächenstilllegung angenommen und bundesweit die Möglichkeit der wildtiergerechten Gestaltung von Brachflächen vorangetrieben. Als Ergebnis dieser Bemühungen wurde die Anlage mehrjähriger Buntbrachen in 11 Bundesländern in die Agrarumweltförderung ab 2007/08 aufgenommen.
Darüber hinaus gelang es, die Akzeptanz für Ansaatbrachen in der Landwirtschaft zu erhöhen, insbesondere durch eine Optimierung ihrer Einbindung in landwirtschaftliche Produktionsabläufe.
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